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Don’t Mock the Clothes! – Was sind uns unsere Kleider wert?

Clothing

Es gibt eine Szene der 4. Staffel Sex and the City, in der Hauptcharakter und Schuhmama Carry Bradshaw (Sarah Jessica Parker) sich dabei ertappt, die Liebe zu ihren Kleidern über die zu ihrem Freund Aiden Shawn (John Corbett) zu stellen. Es geht darum Platz für den anderen zu schaffen – unter anderem im Kleiderschrank. Natürlich müsste die Antwort eigentlich heißen: Nein, nein, nein! Natürlich bist DU es Liebling, Mode kommt und geht… Allerdings tun Männer das zumal auch.

Mode ist für uns Menschen eine Form, die eigene Persönlichkeit an die Oberfläche zu tragen, sie sagt wer wir sind oder wer wir sein wollen. Ist daran so viel Verwerfliches? Von Zeit zu Zeit erleben wir Momente in denen wir feststellen, wie wichtig uns unsere Kleidung wirklich ist, egal ob sie nun als Hobby, Leidenschaft oder Lebensinhalt gehandelt wird. Einfaches Beispiel: Was wäre, wenn unser Koffer auf Reisen verloren ginge, geklaut, entführt? Wie oft schielst du im Zug zu deinem Koffer im Gepäcknetz oder auf dem Gang um sicher zu gehen, dass niemand sich beim aussteigen um diesen kleinen Schatz, our precious, bereichert? Obwohl diese Situation, zumindest in Europa und Umgebung, eher unwahrscheinlich ist, manifestiert sich in ihr einer unserer schlimmsten Alpträume. In meiner zugegeben ziemlich lebhaften Fantasie springt auch schon mal jemand mit meinem Koffer unterm Arm vom fahrenden Zug ab. Absolut möglich meiner Meinung nach, die finden sicher irgendwo ein offenes Fenster! Albern natürlich, aber was haben wir da nicht alles drin?! Es handelt sich nicht nur lediglich um Klamotten, es ist ein Stück unserer Persönlichkeit, das geklaut würde. Alles weg inklusive all der tollen neuen Sachen, Erinnerungen an neue Erfahrungen die wir gemacht haben, aus dem Urlaub, dann lieber ab und zu paranoid in den Gang schielen.

Andere Situation. Während ein Mädchen zur Frau heranwächst durchlebt es im Durchschnitt nicht nur unzählige verwirrende körperliche Veränderungen, sondern ich behaupte auch mindestens fünf geschmackliche Verwirr- und -änderungen. Wenn ich mal bei mir selbst nachrechne, waren das die „Mode-Nein-Danke“ Phase, die „Omas-Pullis-der-Hammer“ Verirrung, die „Strasskronen-und-Pimkie“ Tortur, die „Bemalte-Schuhe-Alternative-Stoffhosen“ Kampfhaltung und nicht zu vergessen die „Ralle-Hemd-zu-spießer-Pulli“ Massenbewegung, bis ich dann endlich bei etwas angekommen bin, das ich stolz als meinen Stil bezeichne. Was jedoch, wenn dieser hart erkämpfte Geschmack in Frage gestellt wird? Ich meine damit: Was wenn der Liebste etwas gegen unsere modischen Neigungen hat? Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, dem Problem entgegenzutreten. Erstens: Ignorieren. Sehr einfach, allerdings eher unproduktiv. Zweitens: Man erklärt (also versucht es) dem Süßen was Sache ist und versucht ihm klar zu machen das er genauso gut bei der Schreibtischlampe beschweren könnte, dass er den neuen Lackoptik Rock aus dem Sale scheußlich findet. Oder Drittens: Let’s Talk About It. Er sagt konkret was ihn stört, wir haken nach, dann sagen wir was uns stört und schließlich wird einvernehmlich beschlossen, dass wir uns trotz allem lieben, so wie der andere nun mal ist. Im Idealfall.

Doch würde nun Mr. Perfect auf seinen Standpunkt beharren und von uns verlangen unseren Stil zu verändern, würden wir es?

Der feministische Teil in mir schreit dieser Frage sofort „Unterdrückung“ entgegen, aber mein verliebtes Ich fragt sich, was wäre wenn mich etwas schrecklich stören würde? Auch ich würde versuchen dezent zu verändern was mir nicht gefällt, nur versteht sich der weibliche Part generell besser darauf „konfliktfrei“ ihren Willen durchzusetzen. Die Frage die sich unweigerlich stellt ist jedoch die: Ist es gerechtfertigt am Geschmack des anderen zu rütteln? Viel mehr noch! Was wiegt mehr die Liebe zu unseren persönlich(keit)en modischen Ausdrucksformen oder die Liebe selbst?

Würden wir zum Beispiel unseren Kleidungsstil umkrempeln um etwas anderes zu erreichen, sich einen Job zu sichern, in eine Gruppe von Menschen zu passen um bewundert, akzeptiert oder geliebt zu werden? Meine Antwort lautet, so altbacken sie auch sein mag, man sollte ehrlich und sich selbst treu bleiben. Authentizität kann man nicht einfach anziehen, sie kann einem aber auch nicht im Zug geklaut werden. Allerdings können kleine, liebevolle Kompromisse es durchaus wert sein…

C.

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