Social

Generation Model 70.0

Ich bin sicherlich nicht die Einzige, die nichts Böses ahnend, unschuldig in der neuen Vogue geblättert hat und ur-plötzlich von einer ziemlich sauer aus dem Bild blickenden 70-Jährigen in der Lanvin FW12 Kampagne erschreckt wurde. Ich war augenblicklich sehr unangenehm an meine fiese, alte Ballettlehrerin erinnert und bei längerer Betrachtung macht mir dieses Reality-Model nicht weniger Angst, als damals Fräulein Klein. Eher fühle ich mich viel zu unerwachsen für das Label, als müsste ich noch mindestens geschätzte 40 Jahre in Lanvin hineinwachsen. Als Kampagne (für mich vereinfacht betrachtet eine wunderschöne Form der Werbung) denkbar unschlau gewählt – ich bin bestimmt nicht die Einzige (meiner Altersgruppe), die auf diese Weise reagiert.

Bild: Steven Meisel, Lanvin

Wesentlich freundlicher und sehr italienisch präsentieren sich Dolce & Gabbana diesen Herbst. Zwar nichts Neues diese Familienidylle der Italiener, da war Tommy doch etwa zwei Jahre schneller, aber doch anders und authentischer – italienisch eben. Im Mittelpunkt stehen hier auf jeden Fall die beiden jungen, rassigen Mädels, während Nonna eins und zwei nur die Zweite Geige spielen dürfen, mit hübschen Haaraccessoires und Eyewear. Auf charmante Weise passend oder doch Alters-Diskriminierung? Die beiden sehen allerdings ziemlich glücklich aus. Außerdem trägt man als Silber-Schopf ja auch nicht mehr unbedingt ein durchsichtiges Spitzenkleid, da kehrt man doch zurück zur Variante im Fenster.

Bild: Giampaolo Sgura, Dolce & Gabbana

Kommen wir nun zu besagtem Gründer der Kampagnen-Families: Vielen Dank, Herr Hilfiger! Die ganze Familie inklusive der adretten Oma Hilfiger, in gewohnter Pose thronend auf ihrem Sessel, in der freien Natur eines Jagdclubs. Chicilacki mit ihrer Perlenkette über der Jacke, aber leider nichts Neues mehr und auch nicht so schön schockig wie die folgende Kampagne.

Bild: Craig McDean, Tommy Hilfiger

Auch Marie Piovesan und Marte Mei van Haaster sehen in der diesjährigen FW12 Kampagne von Marc Jacobs nicht mehr ganz frisch aus (zu danken ist Make-Up Artist Dick Page), wie sie da in der Steinwüste hängen. Die beiden haben hier jedoch den Abschnitt des „Alt-Seins“ schon überschritten und können sich auf diesem Foto mit dem Status Zombie brüsten. So gemein das auch klingen mag, nichts desto trotz ist Jürgen Teller für Marc Jacobs hier ein beeindruckender Spagat zwischen skurril und trendig gelungen und vor allem eine erstklassige Werbekampagne, die dem Designer gerecht wird (man erinnere sich zum Beispiel an die Kampagne mit dem 53-jährigen nackten Kerl und den Luftballons…) und den unschuldigen Zeitschriftenleser gefangen nimmt. Wir gratulieren! Obwohl ich glaube, dass meine Oma Käte einen ähnlichen Hut hatte….

 Bild: Jürgen Teller, Marc Jacobs

C.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s